Samstag, 12. Februar 2011

Hunter Special

In Neuseeland gibt es zahlreiche jagdbare Wildarten, die auch in Mitteleuropa vorkommen: Hirsche, Wildschweine, Hasen, Fasane, Enten, Gänse und Kaninchen. Mit Ausnahme der Kaninchen, die in manchen Landesteilen eine richtige Landplage sind, kommen die übrigen jagdbaren Arten jeweils nur in ganz wenigen Regionen vor. Freileibende Hirsche und Wildschweine vor allem in den Ranges (=Gebirgszügen) im Norden der Südinsel, Fasane und Hasen ganz vereinzelt in den Ackerbaugebieten, bejagbare Gänse- und Entenpopulationen (außerhalb von Städten) findet man vor allem in den Süßwasserseen in den Küstenregionen. Obwohl das ganze Land als Wild – und insbesondere Niederwildbiotop – geeignet wäre, gibt es nur ganz vereinzelt Populationen und die nur in sehr geringen Dichten. Von regionalen Ausnahmen abgesehen werden sie auch kaum bejagt und es sind auch nicht die Prädatoren die die Niederwildpopulationen niedrighalten, es ist die überaus intensive landwirtschaftliche Bewirtschaftung. Hohe Viehdichten, Butterflymähwerke mit 10 m Arbeitsbreite, 4 tägige Beregnungscyclen und exzessiver Pestizideinsatz, fehlende Brachen und Rückzugsbiotope ermöglichen keine hohen Vermehrungsraten.
Von den Jagdmethoden ist vor allem die Wildschweinjagd interessant, aber aus tierschutzfachlicher Sicht in Mitteleuropa undenkbar. Gejagd wird mit Hundemeuten, wobei die eine Meute das Wildschwein stellt und die zweite Meute das Beutetier solange niederbeißt, bis der „Jäger“ das Tier dann mit der Saufeder tötet. Vor allem bei stärkeren Schweinen ist mit erheblichen Hundeverlusten zu rechnen.
Die Hirsche wurden in Neuseeland in den letzten 30 Jahren von Wildtieren zu landwirtschaftlich intensiv gehaltenen Nutztieren domestiziert. Kreuzungszucht (Rothirsch x Wapiti), hohe Besatzdichten, Endmast mit Kraftfutter sind die wichtigsten Voraussetzungen für eine wirtschaftlich erfolgreiche Hirschfleischproduktion. Mehr als 90 % der mehrere zehntausend Tonnen umfassenden Jahresproduktion werden exportiert. Mit der Hirschfleischproduktion (=venison production) befassen sich derzeit rund 5000 Betriebe in Neuseeland, die zusammen mehr als 2 Millionen Hirsche halten. Laut Homepage der New Zealand Deer Industrie, ist die Hirschproduktion besonders artgerecht und venison das gesündeste Fleisch der Welt. Aber auf all diesen Homepages steht nur die halbe Wahrheit. Das große Geld verdienen die Hirschzüchter mit den „Nebenprodukten“ – aber darüber spricht niemand und man liest auch nichts davon.
Das wesentliche Nebenprodukt der neuseeländischen Hirschfleischproduktion ist das getrocknete und gemahlene Bastgeweihpulver, das wegen der angebliche aphrodisierenden Wirkung in China, Südostasien und den USA überaus gewinnbringend verkauft wird. Die Tiere werden beim schmerzhaften abtrennen des Bastgeweihs zwar betäubt, aber danach reißen die Schnittstellen immer wieder auf – wir sahen unzählige Hirsche denen der Schweiß über das Haupt floss und die sich an anderen Tieren abzuwischen versuchten und sie dabei komplett schweißig machten. Und diese Praxis ist kein Einzelfall, denn in Summe sahen wir auf beiden Inseln mehr als 100 Hirschfarmen und keinen einzigen!!! Hirsch ohne abgetrenntes Bastgeweih. Man fragt sich also,  wo die tollen Trophäenträger sind, die in den Prospekten der Hirschsprermabanken (= 2. Einträgliches Nebenprodukt der Hirschfleischproduktion) stehen. Doch diese „kapitalen“ Stücke stehen wegen der notwendigen Spezialbehandlung in Ställen und in diese sind wir einfach nicht hineingekommen. Obwohl wir Adressen hatten, ist es uns nicht gelungen in einen dieser Ställe zu kommen – irgendwie hatten wir den Eindruck, die haben was zu verbergen.
Zusammengefasst muss jedenfalls festgehalten werden, wer neuseeländisches Hirschfleisch in Europa kauft, trägt Mitverantwortung an der massenhaften Tierquälerei hier. Das Fleisch kann gar nicht so gesund und schmackhaft sein, dass einem ein solches Hirschsteak noch schmeckt, wenn man die Tiere hier einmal gesehen hat.




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