Montag, 7. Februar 2011

Farmer special - Getreide und Mähdruschfrüchte

Landwirtschaft und Tourismus sind die zwei wichtigsten Wirtschaftssektoren Neuseelands. Beim Lesen unserer Blogeinträge der letzten Tage kann man den Eindruck bekommen, wir sind von einem touristischen Hotspot zum nächsten unterwegs. Tatsächlich sind wir allerdings täglich in Kontakt mit einem oder mehreren landwirtschaftlichen Betriebszweigen. Beate hat manchmal das Gefühl, ich bleibe bei jedem Feld stehen, plaudere mit allen Farmern die uns begegnen und kann an keiner Obstkultur oder Weide vorbei fahren, ohne nicht zumindest ein Foto zu machen. Das diese Bilder in letzter Zeit nicht mehr in unserem Blog zu finden sind liegt daran, dass ich Farmer Special Blogs zu „Getreide und Mähdruschfrüchte“, „Gemüse“, „Wein“, „Obst“, „Rinder“, „Schafe und Sonstiges“, „Forstwirtschaft“, „Technik“ und ein großes „Hunters Special“ vorbereite und wir die Bilder nicht doppelt ins Netz stellen wollen.
Im Gegensatz zu den „normalen“ Blogs, bei denen meist Beate die Bilder aussucht, beschriftet und danach hochladet und oft auch noch den Blog schreibt (während ich laufen oder einkaufen bin)  muss ich bei diesen Spezialblogs alles selber machen – und das dauert.
Den Anfang mache ich heute mit dem Getreidebau, denn der ist in Neuseeland rasch erklärt. Während auf der Nordinsel und in den ausgedehnten Berggebieten der Südinsel nur vereinzelt extensive Getreidefelder (Ertragserwartung 3 bis 5 t pro ha) zu finden sind (zur Versorgung der eigenen Viehbestände oder zur Lieferung an eine lokale Brauerei), findet man in Mid Canterbury – einer Ebene südlich von Christchurch auf der Südinsel ganz intensiv geführte Getreidebestände mit Erträgen jenseits der 10 t pro ha. Diese Region zwischen dem Pazifik im Osten und den Southern Alps im Westen mit  mildem Meeresklima, leichten aber humosen Böden, durchschnittlich 600 mm Jahresniederschlag, Grund- und Oberflächenwasser zu Beregnungszwecken im Überfluss ist das wichtigste Getreide-, Kartoffel- und Gemüseanbaugebiet Neuseelands. Während der typische Bauer in Neuseeland zumindest ein Standbein in der Viehwirtschaft hat (Milch- und/oder Fleischrinder, Schafe oder Hirsche), finden sich in Mid Canterbury auch reine Ackerbaubetriebe mit Betriebsgrößen von einigen 100 bis weit über 1.000 ha.
Bei der letzten großen Agrarreform wurden alle landwirtschaftlichen Subventionen ersatzlos gestrichen. Die Betriebe müssen also von dem leben was der (Welt)markt bezahlt. Produziert wird was der Markt verlangt – beispielswiese hat man auf die knappe Versorgungslage bei Zwiebel in Europa sofort mit einer Ausweitung der Sommerzwiebelproduktion reagiert – und da ökologische Kriterien bislang am Weltmarkt nicht zählen, denkt hier niemand an Kreislaufwirtschaft, Nachhaltigkeit oder Biolandbau. Dünger, Pestizide und Energie sind im Vergleich zu Europa billig (ein Liter Diesel kostet für die Bauern beispielsweise rund 0,70 Euro) und werden dementsprechend exzessiv verwendet. Die zumeist europäische Agrartechnik ist in etwa gleichpreisig und auch die Grundpreise sind in den Gunstlagen durchaus beachtenswert und liegen derzeit bei 30.000 bis 50.000 NZ$ pro ha. Interessanterweise konkurrenzieren hier die Milchbauern – auf der Suche nach beregnungsfähigen und damit auch in Trockenjahren produktionssicheren Flächen – die Ackerbauern.
Von den neuseeländischen Getreidebauern kann produktionstechnisch wenig lernen, denn sie unterscheidet sich kaum von der in Norddeutschland oder im Pariser Becken – beeindruckend ist aber vor allem die Marktorientierung der Bauern hier und diese wird in Zeiten degressiver Subventionen auch in Europa zunehmend ein Thema.





 

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