Die Fahrt von Batemans Bay nach Canberra (rund 150 km) führt im ersten Streckenabschnitt hinauf in die Bergkette der Great Dividing Range. Auch so weit südlich treffen wir auf ausgedehnte Regenwälder, die zumeist auch Nationalpark sind. Der letzte Abschnitt dieser anspruchsvollen Bergfahrt führt durch die sg. „Misty Mountains“ die ihrem Namen bei leichtem Regen alle Ehre machten. Zeitweise dachte ich im November durchs Waldviertel zu fahren und nicht im Hochsommer durch Australien. Einige Kilometer landeinwärts liegt das Städtchen Braidwood, das ganz dem Klischee einer australischen Siedlung entspricht. Nach einer kurzen Mittagsrast fuhren wir weiter nach Canberra und fanden problemlos eine powered site in einem stadtnahen Caravan Park.
Die Stadtbesichtigung von Canberra nimmt zwar nicht allzu viel Zeit in Anspruch – ist aber dennoch durchaus lohnenswert. Die Stadt ist im wesentlichen ein Wald, der von breiten Straßen durchzogen ist. Die Häuser sind meist nur schemenhaft hinter den Bäumen und Büschen auszunehmen, lediglich in der Innenstadt sind einige geschlossenen Häuserzeilen zu finden. Neben dem Parlamentsgebäude am Capitol Hill weist nur das War Memorial eine auffälligere Architektur auf. In Town Town gibt es einige mehrgeschossige Bauten die wie Hochhäuser aus dem Grün der Bäume herausragen. Auf den breit angelegten Straßen waren kaum Autos zu sehen und die Gehsteige waren praktisch menschenleer – gut es war Sonntagnachmittag mitten in der Ferienzeit – aber ohne dem freundlichen Polizisten am Capitol Hill hätten wir die 5 Restaurants der Stadt sicher nicht gefunden. Dafür gibt es unzählige Hinweisschilder zu den spärlichen Geschäften, die man ohne diese keinesfalls finden würde. Mitten in der Stadt gibt es einen See mit einer Uferlänge von 36 Kilometern mit lediglich 2 Einkehrmöglichkeiten. Irgendwie hat man den Eindruck, dass die 350.000 Einwohner der Stadt nur aus beruflichen Gründen hier sind und an jedem Wochenende und in den Ferien die Stadt fluchtartig verlassen, anders ist das eklatante Fehlen jeglicher Freizeitinfrastruktur nicht zu erklären. Canberra ist gastronomisch betrachtet eine einzige Marktlücke mit viel begrünter Künstlichkeit aber ohne Flair.
Nach einem kurzen Besuch in der katholischen Kirche von Canberra gingen wir thailändisch essen und waren über die Qualität des australischen Rindfleisches einmal mehr positiv überrascht. Bei allem Patriotismus, der bei einem österreichischer Bauer ja schon in den Genen steckt, wer hier in Australien einmal Rindfleisch genossen hat, der kann bei österreichischem Rindfleisch nicht mehr von Qualität sprechen. Die Spezialisierung auf Fleischrassen und eine tiergerechte ganzjährige Freilandhaltung von Mastrindern steht den österreichischen Rindfleischbauern jedenfalls noch bevor. Ich muss in diesem Zusammenhang an Univ.Prof.Prim. Dr.med. Klimscher (= Rindfleischliebhaber, der viele Jahre im Ausland gelebt hat) denken, der gemeinsam mit dem Distelverein eine Biorindfleischproduktion am Langen Luss angedacht hat, mit dem Ziel hochwertige österreichische Rindersteaks zu produzieren.
Auf der Rückfahrt zum Caravanpark sahen wir dann noch unzählige Kängurus auf den Weideflächen - bis in unmittelbare Häusernähe – herum hüpfen.
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