Dienstag, 30. November 2010

Zwischen den Zeiten

Nach dem Besuch von drei weiteren Tempelanlagen fuhren wir durch typische kambodschanische Dörfer (sauber, ordentlich, mit zufrieden wirkenden, geschäftigen Menschen, unzähligen Kindern, Hühnern, Rindern, einigen Wasserbüffeln (alle in artgerechter Tierhaltung!!), allerdings immer noch ohne Strom – und daher:  kein Kühlschrank, keine Waschmaschine, kein Fernseher, kein ……) und konnten ganz spontan mit einigen Leuten in Kontakt treten. Mit einem Reisbauern der mit 2.000 m² seine Familie ernährt, mit einer Landwirtschaftslehrerin aus Phnom Penh die die Bauern vor Ort über die Wirtschaftlichkeit der Palmproduktion unterrichtet, mit der Bäuerin die den Saft der männlichen Palmblüten zu köstlichen Süßigkeiten eindickt. Die Verständigung klappte mit Hilfe unseres Reiseführers, z.T. mit Händen und Füßen und natürlich mit Englisch das von nahezu allen 10 bis 25 jährigen beherrscht wird, durchaus prima.
Danach unternahmen wir eine Bootsfahrt am Tonle Sap - dem größten Binnensee Indochinas. Wir besuchten schwimmende Dörfer – natürlich ebenfalls ohne Strom – der See steht für die Menschen dort im Mittelpunkt: er ernährt die Fischer, dient als Verkehrsfläche, Badewanne, Toilette, Waschküche, Freibad für die Kinder etc.. Bei der Heimfahrt ins rund 15 km entfernte Siam Reap kamen wir durch ein Bauerndorf, in dem die Bauern mit Karren und Sicheln von der Reisernte heimkamen, die Kinder die Rinder heimtrieben – eigentlich wie bei uns vor mehr als 150 Jahren. Wenige km weiter in der Großstadt mit den Läden von Guzzi und Hugo Boss, mit Lichtreklame und echten 5***** Hotels sind wir dann wieder im 21. Jahrhundert angekommen.
In den ländlichen Gebieten Kambodschas stehen die wesentlichen Veränderungen also noch bevor, wenn man aber bedenkt, das nach dem Terror des Pol Polt Regimes Ende der 70er Jahre, der Invasion der vietnamesischen Truppen in den 80er Jahren und dem Bürgerkrieg in den 90er Jahren erst seit 1998 eine gesicherte Aufbauarbeit möglich ist, kann man bereits erahnen wie rasch der Wille nach Veränderung auch diese Regionen entwickeln wird. Die Basis sind die vielen Kinder und Jugendlichen, die einen enormen Bildungshunger aufweisen – unser Reisleiter ist beispielsweise 25 Jahre alt, studiert Bauingenieurwesen und muss seine 400 $ Studiengebühr im Jahr – ebenso wie seine 4 Brüder – selbst verdienen. Neben Bildung und Fleiß gibt es allerdings auch enorme Direktinvestitionen aus Korea, China, Japan, Vietnam und Thailand die eine so rasche Entwicklung möglich machen.









Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen